Immobilien: energetische Sanierung und staatliche Unterstützung in Frankreich

  Aktualisiert am  10 March 2026

Sich für das Klima und die Umwelt engagieren und dabei auch noch Geld sparen und die Lebensqualität verbessern?
Das alles verspricht die energetische Sanierung des Hauses. Doch was ist das genau und wie geht man in Frankreich vor?
Die Antworten in unserem Artikel.

  • Gut zu wissen: Die Förderung MaPrimeRénov’ wurde vorübergehend ausgesetzt und soll Mitte September 2025 wieder aufgenommen werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frankreich fördert energetische Renovierungen nach dem Prinzip: niedrigeres Einkommen → höhere Förderung. Manche Hilfen nur für steuerlich in Frankreich Ansässige.
  • Förderungen unabhängig vom Wohnsitz sind ebenfalls möglich, auch für vermietete Immobilien.

Für in Frankreich Ansässige:

  • MaPrimeRénov’
  • Energiescheck („chèque énergie“)

Für alle:

  • Certificats d’Economies d’Energie (CEE)
  • Zinsloser Ökokredit (Eco-PTZ)
  • Reduzierte Mehrwertsteuer
  • Weitere steuerliche Vorteile (z. B. Grundsteuerbefreiung)
  • Lokale finanzielle Unterstützung

Energetische Sanierung: Energiekosten senken und Lebensqualität verbessern

Warum ist energetische Sanierung wichtig?

In Frankreich ist die Bauindustrie für 25 % der CO2-Emissionen und 44% des Endenergieverbrauchs verantwortlich. Daher ist der Gebäudesektor entscheidend für die Erreichung der CO2-Neutralität.

Noch heute sind in Frankreich fast 5 Millionen Wohnungen besonders schlecht isoliert (“passoires énergétiques”).

3 Millionen Haushalte haben Schwierigkeiten, ihre Heizkostenrechnung zu bezahlen.

Mit der Durchführung von energetischen Sanierungsarbeiten wird konkret etwas für das Klima getan. Zudem wird die Lebensqualität verbessert und Energierechnungen werden gesenkt. Deshalb wird die energetische Sanierung von privaten und öffentlichen Gebäuden vom französischen Staat finanziell gefördert.

Frankreich und Deutschland verfolgen im Gebäudesektor langfristig ähnliche Zielsetzungen im Sinne eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050.

Im Mittelpunkt stehen in Frankreich folgende Maßnahmen:

  • Alle Gebäude, die nach 2020 gebaut wurden oder werden, sollen mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen.
  • Alle bestehenden Gebäude sollen schnellstmöglich renoviert werden und energieeffizient werden.

Eigentümerinnen und Eigentümern bietet die energetische Sanierung ihrer Immobilie die Möglichkeit, ihren CO2-Ausstoß zu verringern und ihre Heizkosten zu senken. Laut Ademe (frz. Agentur für den ökologischen Übergang) machen Heizkosten im Durchschnitt 60 % der Energiekosten eines Haushalts aus.

 

Was ist energetische Sanierung?

Die energetische Sanierung umfasst alle Arten von Arbeiten, die zur Verbesserung der Energieeffizienz eines Gebäudes führen und somit die Senkung des Energieverbrauchs zur Folge haben. Hierzu gehören unter anderem die Dachbodendämmung, der Austausch von Fenstern und der Einbau einer Wärmepumpe.

 

Ist energetische Sanierung in Frankreich Pflicht?

Nein, in Frankreich gibt es keine Pflicht zur energetischen Sanierung.

Jedoch ist die Energieeffizienzdiagnose („diagnostic de performance énergétique“, kurz DPE) für alle verpflichtend. Diese bewertet die Energieeffizienz eines Gebäudes auf einer Skala von A (sehr energieeffizient) bis G (am wenigsten energieeffizient). Eigentümerinnen und Eigentümer müssen diese Prüfung durchführen lassen, bevor sie ihre Immobilie vermieten oder verkaufen.

Bei Gebäuden mit der Effizienzklasse F dürfen keine Mieterhöhung vorgenommen werden. Seit dem 1. Januar 2025 ist das Vermieten von Gebäuden der Klasse G verboten. Das betrifft Wohnungen der Klasse G, die ab dem 1. Januar 2025 neu vermietet werden oder deren Mietvertrag nach diesem Datum verlängert wird.

Seit 2022 wird der DPE durch ein Energie-Audit ergänzt, welches über die Energieeffizienz des Gebäudes informiert. 2025 sind von dieser Verpflichtung Gebäude der Energieklassen E, F und G betroffen. Kommen Eigentümerinnen und Eigentümer bei Vermietung oder Verkauf dieser Pflicht nicht nach, müssen sie mit einer Geldstrafe von 3.000 Euro bis 15.000 Euro rechnen.

Vor Renovierungsarbeiten wird die Durchführung einer Energieeffizienzdiagnose oder eines Energie-Audits empfohlen. Ab dem 1. Januar 2026 wird dieser Schritt verpflichtend sein.

Weitere Maßnahmen sind zu erwarten, da in Frankreich bis 2050 alle Gebäude den Kriterien des „Niedrigenergiegebäudes“ („bâtiment basse consommation“ – BBC) entsprechen sollen.

Leitfaden zur energetischen Sanierung: Was muss ich wann tun?

Der Begriff der energetischen Sanierung umfasst insbesondere die Dämmung, die Heizung und die Lüftung von Gebäuden. Diese Renovierungsarbeiten sollten aber nicht in beliebiger Reihenfolge oder unabhängig voneinander durchgeführt werden.

Symbolbild energetische Sanierung: Auf Hausplänen steht ein kleines Spielzeughaus, darunter Geldscheine und daneben ein Blatt mit der Energieklasse
Für Verkauf oder Vermietung ist eine Energieeffizienzdiagnose verpflichtend.

Staatliche Unterstützung für energetische Sanierung

Die Kosten für eine energetische Sanierung können recht hoch sein. Aus diesem Grund gibt es sowohl in Deutschland als auch in Frankreich staatliche Unterstützung.

Während in Deutschland der Grundsatz „Je ambitionierter das Vorhaben, desto höher die Förderung“ gilt, verfolgt Frankreich eine etwas andere Förderstrategie: „Je niedriger das Einkommen, desto höher die Förderung“.

Zudem hängt in Frankreich die Vergabe von Fördermitteln in den meisten Fällen nicht von dem Erreichen eines Gebäudestandards ab, sondern von der Umsetzung der Maßnahmen. In Deutschland hingegen sind viele KfW und teils regionale Fördermittel an das Erreichen eines Standards gebunden (KfW-Effizienzhaus Neubau und Bestand).

Die Förderangebote sind vielfach miteinander kombinierbar. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Förderprogramme ist, dass die Effizienzmaßnahmen durch ein zertifiziertes Unternehmen (RGE) durchgeführt werden.

 

Wichtige Anlaufstellen: France Rénov’ und ANAH

France Rénov’ ist seit dem 1. Januar 2022 die zentrale Anlaufstelle für alle energetischen Renovierungsarbeiten. Sie arbeitet mit den lokalen Gebietskörperschaften zusammen.

France Rénov‘ bietet eine kostenlose, persönliche Beratung durch Conseillers France Rénov‘ und Mon Accompagnateur France Rénov‘ – von der Besichtigung des zu sanierenden Gebäudes bis zur Fertigstellung der Renovierungsarbeiten.

Auf der Website von France Rénov‘ gibt es Kontakte für Beratungen und ausführliche Informationen zu finanziellen Hilfen.

Zudem gibt es eine Liste von Handwerksbetrieben und anderen Unternehmen, die „RGE“ (Reconnu Garant de l’Environnement – anerkannt als Garant der Umwelt) zertifiziert und somit berechtigt sind, förderfähige energetische Renovierungsarbeiten durchzuführen.

France Rénov’ berät zu nationalen und lokalen Finanzierungshilfen, wie zum Beispiel MaPrimeRénov’.

Auch die ANAH, die nationale Agentur für Wohnungswesen (agence nationale de l’habitat), bietet Finanzierungshilfen. Diese öffentliche Einrichtung untersteht mehreren Ministerien und hat die Verbesserung des privaten Wohnungsbestands in Frankreich zur Aufgabe. Die ANAH fördert auch energetische Sanierungsarbeiten.

Auf der Internetseite der ANAH gibt es ausführliche Informationen zu den unterschiedlichen Finanzierungshilfen.

Gut zu wissen:  In Frankreich ist die Durchführung einer Expertise, also eines Gutachtens, nicht erforderlich. Wenn Sie sich bei France Rénov’ registrieren, kommen ein Mitarbeitende von France Rénov‘ zu Ihnen und begutachten die zu sanierende Immobilie kostenlos. Bei einer privaten Beauftragung eines Gutachtens kann keine Kostenerstattung beantragt werden.

Eine Kumulierung von Beihilfen ist möglich

Unter bestimmten Bedingungen kann die MaPrimeRénov’ mit anderen Beihilfen für die energetische Renovierung kumuliert werden.

 

Finanzierungshilfen in Frankreich