Nachhaltigkeits- und Reparaturindex für Elektrogeräte

  Aktualisiert am  20 March 2026

In Frankreich zeigen ein Reparaturindex und ein Nachhaltigkeitsindex an, wie gut sich bestimmte Elektro- und Haushaltsgeräte reparieren lassen.

Verbraucherinnen und Verbraucher erhalten so schon beim Kauf die Möglichkeit, sei es im Laden oder im Online-Shop, die Reparaturfreundlichkeit von Produkten zu vergleichen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nachhaltigkeits-Index zeigt in Frankreich, wie gut sich Elektrogeräte reparieren lassen (Skala 1–10)

  • Pflichtangabe im Geschäft und online für viele Geräte (z. B. Smartphone, Laptop, Waschmaschine)

  • Bewertung basiert u. a. auf Ersatzteilen, Reparaturfreundlichkeit und Dokumentation

  • Ziel: längere Nutzung von Produkten und weniger Elektroschrott

  • Ergänzend: Reparatur wird finanziell durch einen staatlichen Bonus gefördert

Nachhaltigkeitsindex und Reparaturindex

Neu gekaufte Elektrogeräte sollten möglichst lange halten und im Falle eines Defekts problemlos repariert werden können. Der Nachhaltigkeitsgedanke spielt beim Einkauf vieler Kunden eine immer größere Rolle.

Dies hat auch Frankreich erkannt. Im Rahmen eines Anti-Wegwerf-Gesetzes hat der Staat die Hersteller von elektronischen Geräten dazu verpflichtet, Angaben darüber zu machen, wie leicht ein Produkt repariert werden kann.

Der Nachhaltigkeitsindex (indice de durabilité) gilt für folgende Neuwaren:

  • Fernseher
  • Waschmaschinen

 

Der Reparaturindex (indice de réparabilité) gilt für folgende Neuwaren:

  • Smartphone
  • Laptop
  • elektrischer Rasenmäher
  • Geschirrspüler
  • Staubsauger (mit Kabel, kabellos, Saugroboter)
  • Hochdruckreiniger

Wie wird der Index eines Produktes berechnet?

Ein offizieller Kriterienkatalog dient dazu, die Reparaturfähigkeit eines Produktes richtig zu beurteilen.

Der Reparaturindex berechnet sich aus folgenden fünf Kriterien:

  1. Dokumentation. Für die Bewertung wird die Dauer und die Art der zur Verfügung stehenden technischen Informationen herangezogen (z. B. Reparaturanleitung, technisches Handbuch, Merkblätter)
  2. Einfache Zerlegbarkeit / Demontage. Bei diesem Kriterium werden die Schritte bewertet, die nötig sind, um wichtige Teile auszutauschen. Und welches Werkzeug notwendig ist.
  3. Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Wie lange Ersatzteile angefordert werden können und wie lange die Lieferung dauert.
  4. Ersatzteilpreis. Hier wird der Preis der Ersatzteile ins Verhältnis zum Neupreis des Produkts gesetzt.
  5. Andere produktspezifische Kriterien, zum Beispiel der Hersteller-Support oder die Verfügbarkeit von Software-Updates.

 

Der Nachhaltigkeitsindex setzt sich aus der oben erläuterten Reparierbarkeit und der Robustheit (Widerstandsfähigkeit gegen Belastungen und Verschleiß) des Produkts zusammen.

 

Um die Bewertung für Kunden gut lesbar zu machen, wurde ein Farbcode festgelegt.

Von einem kräftigen Rot für schlecht reparierbare Produkte bis zu einem dunklen Grün für Produkte, die leicht repariert werden können.

Darstellung des französischen Reparaturindex mit seinem Farbcode

Diese Bewertung muss gut sichtbar an dem betroffenen Produkt angebracht werden. Die Schriftgröße darf dabei nicht kleiner sein, als die Schriftgröße auf den Preisschildern.

An die Regelungen müssen sich auch Online-Shops halten.

Was möchte Frankreich mit dieser Kennzeichnung erreichen?

Zu den häufigsten Gründen, weshalb die Reparatur eines Produktes scheitert, gehören laut Experten fehlende Ersatzteile, zu teure Ersatzteile und fehlende Informationen.

Mit dem Reparaturindex und dem Nachhaltigkeitsindex will Frankreich den ständigen Neukauf von Geräten verhindern und die Reparatur von Handys und Elektrogeräten vorantreiben.

Gleichzeitig soll der sogenannten geplanten Obsoleszenz, der künstlichen Produktalterung, ein Riegel vorgeschoben werden. Nach wie vor wird der Industrie vorgeworfen, die Lebensdauer von Produkten künstlich zu verkürzen und ihre Nutzungsdauer damit bewusst einzuschränken.

In Frankreich gilt die geplante Obsoleszenz als Täuschung, die mit bis zu zwei Jahren Haft und mit einer Geldstrafe von 300.000 Euro geahndet werden kann (Art. L 454-6 des Verbraucherschutzgesetzes).

Ein Reparateur in blauer Latzhose schaut in die Trommel einer Waschmaschine.
Mehr Nachhaltigkeit durch Reparatur statt Neukauf

Reparaturbonus in Frankreich

Neben dem Reparatur- und Nachhaltigkeitsindex setzt Frankreich auch auf finanzielle Anreize: Mit dem Reparaturbonus erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher einen direkten Preisnachlass bei Reparaturen.

Die Förderung gilt für Elektrogeräte sowie für Schuhe und Textilien und wird direkt von der Rechnung abgezogen – ohne Antrag.

Alle Details zu Voraussetzungen, Höhe und förderfähigen Produkten gibt es in unserem Artikel zum Reparaturbonus in Frankreich.

Ratschläge und hilfreiche Adressen für die Reparatur

Wer in Frankreich Alltagsgegenstände reparieren lassen möchte, kann über reparacteurs.artisanat.fr einen Reparatur-Service oder eine Technikerin bzw. einen Techniker in seiner Nähe suchen.

Das Verzeichnis wurde von der Umweltagentur ADEME (Agence de la transition écologique) in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer CMA (Chambre de Métiers et de l’Artisanat) geschaffen.

Ein Fachbetrieb, der Produkte repariert und recycelt findet sich auch auf longuevieauxobjets.gouv.fr. Die Internetseite bietet zudem Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag an, z. B. wie man verantwortungsbewusst einkauft oder welche Gegenstände sich gut mit anderen teilen lassen.

Alte Elektro- und Haushaltsgeräte sammeln, reparieren und zu erschwinglichen Preisen wiederverkaufen ist das Ziel von Envie. Das gemeinnützige Unternehmen hat in Frankreich 50 Verkaufsräume.

Defekte Ware reklamieren: So verbraucherfreundlich ist Frankreich

In der EU haben Verbraucherinnen und Verbraucher für Neuware ein gesetzliches Gewährleistungsrecht von zwei Jahren. Diese Frist gewährt Frankreich auch für Gebrauchtwaren.

Dies bedeutet, dass bei mangelhaften oder defekten Produkten zwei Jahre lang das Recht auf Umtausch oder Reparatur eingeräumt werden muss.

Und Frankreich geht darüber noch hinaus. Wenn die Kundin bzw. der Kunde um eine Reparatur bittet, verlängert sich die gesetzliche Gewährleistung um sechs Monate.

Entscheidet sich die Verkäuferin bzw. der Verkäufer jedoch für den Austausch des Produkts, obwohl eine Reparatur gewünscht wurde, wird die gesetzliche Gewährleistung sogar um zwei Jahre verlängert.

Sollten weder Reparatur noch Austausch möglich sein, steht Verbrauchern eine Preisminderung zu. Alternativ kann die Ware zurückgeben und die Erstattung des Kaufpreises verlangt werden.

Und auch bei der Beweislastumkehr stehen Kaufende in Frankreich besser da, als in vielen anderen Ländern. Denn für Neuware liegt die Beweislastumkehr in Frankreich bei zwei Jahren (in Deutschland nur bei einem Jahr).

Das heißt: Während der ersten zwei Jahre nach dem Kauf wird automatisch davon ausgegangen, dass ein Mangel schon zum Zeitpunkt des Kaufs bestand. Ist die Verkäuferin bzw. der Verkäufer anderer Meinung, muss beweisen werden, dass der Defekt von der Kundin oder dem Kunden verursacht wurde.